Suevia Pannonica                         

Vereinigung Ungarndeutscher Akademiker e.V.

Sitz: Heidelberg

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50 Jahre „Suevia Pannonica“ Vereinigung Ungarndeutscher Akademiker e.V.

Der Festkonvent fand in Backnang im Ungarndeutschen Heimatmuseum statt

 Am 10. September begrüßte der Vorsitzende Dr. Johann Till die Anwesenden und gab seiner Freude zum Ausdruck, dass viele Suevianer zum Festkonvent gekommen waren, unter anderem das 91-jähringe Mitglied Dr. Heinrich Christ aus Göttingen/Varsád. Am Vormittag wurden die vereinsübrige Formalitäten besprochen. Nach dem Bericht des Vorstandes wurde über die Aufgaben der Suevia Pannonica diskutiert, der Schriftleiter des „Archivs der Deutschen aus Ungarn“ Rudolf Fath berichtete, dass ein Doppelband des Archivs in Kürze erscheinen wird. Nach dem Finanzbericht der Geschäftsführenden Vorsitzenden, Katharina Eicher-Müller, folgte der Festvortag des Vorsitzenden, der sich mit der Geschichte der deutschen studentischen Bewegung in Ungarn bis 1945 beschäftigte.

Vor dem Vortrag gratulierte Frau Eicher-Müller Johann Till nachträglich zu seinem 70. Geburtstag und sie wünschte dem runden Geburtstagskind im Namen der Vereinigung alles Gute und übergab einen bunten herbstlichen Blumenstrauß.

Dr. Till sprach zuerst über den Geschichtsabschnitt, der zu jener aufbruchsvollen Zeit gehörte, in der sich beherzte ungarndeutsche Studenten zum ersten Mal zu einer Vereinigung formierten. Sie hieß: "Vereinigung deutscher Hochschüler aus den Ländern der ungarischen Krone". Der Gründungsakt unter der Leitung von zwei bekannten Namen, Edmund Steinacker und Adam Müller-Guttenbrunn, (beide lebten in der Nähe Wiens), fand im Jahre 1899 statt, nachdem am 15. Dezember die Satzung genehmig wurde. Es war  die Zeit der nationalen Hochstimmung in Ungarn. Die rauschenden Feste des Millenniums, der Tausendjährung Ungarns waren soeben abgeklungen, ein einmaliger wirtschaftlicher Aufschwung um die Jahrhundertwende verhieß goldene Zeiten. Dieser Aufbruch, dieses Erwachen erfasste auch die deutschen Studenten an den Universitäten des Landes; zunächst in Budapest (Petro-Pazmania) und Klausenburg (Franzisco-Josephina), später auch in anderen Provinzstädten, wie Debrezin, Fünfkirchen und Segedin. Die junge Intelligenz des Deutschtums wusste über das Schicksal der Sathmarer Schwaben und der Zipser Sachsen im Oberland, die schon zur damaligen Zeit fast vollkommen eingeschmolzen waren. Von der Geschichte sensibilisiert und um die Zukunft besorgt, gründeten sie nach westlichem Muster kurz vor dem Zusammenbruch der Monarchie Österreich-Ungarn, 1918, in Budapest zwei Verbindungen: Die Gothia und die Longobardia. Auf die Gothia gehen die Wurzeln der heutigen SUEVIA PANNONICA e.V. Heidelberg zurück. Daneben bestand schon eine "Vereinigung ostdeutscher Hochschüler" und eine "Landsmannschaft der schwäbischen Hochschüler", auch "Jungschwaben" genannt. Das Bedürfnis der zahlreich in Budapest studierenden Ungarndeutschen, sich auf der Grundlage der Volkszugehörigkeit zu organisieren, nahm damit konkrete Gestalt an. Die Longobardia bezeichnete sich als schlagende Verbindung und orientierte sich an österreichisch-deutschen Vorbildern, pflegte mehr die burschenschaftlichen Bräuche, dagegen wendete sich die Gothia von Anfang an dem ungarnländischen Deutschtum, seinen Nöten und Zielen zu. Mit dem Namen wollten wohl beide akademische Vereinigungen  ihre Verwurzelung im Karpatenraum dokumentieren. Die Longobardia wirkte recht blutleer, während die Gothia, die 1925 in SUEVIA umbenannt wurde, durch eine glückliche Fügung immer mehr Zulauf erfuhr. Die Umbenennung der Gothia in SUEVIA war nicht nur ein formaler Akt. Sie war bewusster Ausdruck einer geistigen Haltung: Verbundenheit mit dem Volk und Bekenntnis zum Programm des hoch angesehenen ungarndeutschen Professors und Nationalitätenministers (1919) Dr. Jakob Bleyer. Jakob Bleyer wurde mehr das Zentrum und der Motor der jungen Studentenverbindung SUEVIA. Seinem Einfluss ist es zu verdanken, dass aus den Reihen der SUEVIA zahlreiche Persönlichkeiten des gesellschaftlichen und politischen Lebens hervorgegangen sind. Die Geschichte der SUEVIA ist mit dem Namen Jakob Bleyers aufs Engste verbunden. Seine Ausstrahlung und Autorität zog all jene Studiosi zur SUEVIA, die nach seinem frühen Tod (1933) die sprachliche und kulturelle Aufbauarbeit der Ungarndeutschen bis in die 40er Jahren hinein vorantrieben. Sie bereisten die ungarndeutschen Gemeinden, hielten Vorträge, organisierten kulturelle Veranstaltungen. Es war für die Bevölkerung eine ganz neue Situation: Die Intelligenz, die aus der Stadt aufs Land kam, sprach mit dem Volk bis dahin nur in der Amtssprache, madjarisch. Nun erlebten sie auf einmal, dass auch die eigenen Töchter und Söhne nach dem Studium zu ihrer abgestammten Herkunft standen und die Sprache ihrer Ahnen nicht verleugneten, wie es vorher leider oft der Fall war. Diese Ausführungen werden für unsere angehende Jungakademiker von heute überkommen erscheinen, aus der multikulturellen Paneuropaperspektive gar Kopfschütteln hervorrufen. Die inneren Nöte und Zwänge, in der sich die deutsche Volksgruppe in Ungarn befand, ist für Außenstehende nur schwer zu vermitteln. Als Farbe wählte sich die SUEVlA blau-weiß-gold. Das traditionelle Vereinslokal, in dem sich die Suevianer am Donnerstag jede Woche trafen war die Gaststätte „Zu den drei Spatzen'" in Ofen. Nachmittags ab vier kamen die alten Herren. Die Altherrenschaft der SUEVIA bestand (in Abwechslung von der klassischen Verbindung) - nicht nur aus ehemals Aktiven, die ihr Studium beendet hatten. Ihr gehörten auch Männer an, die bereits im akademischen Berufsleben standen, als die Suevia gründet wurde. Sie gaben der Suevia  Ansehen, Gewicht und nicht zuletzt Glanz. Ohne sie hätte sich die suevianische Identität und das Selbstbewusstsein ihrer Mitglieder zu jener Zeit nicht herausbilden und nicht behaupten können. Die regen Aktivitäten der SUEVIA BUDAPESTINA, wie der Verein  umbenannt wurde, blieben nicht ohne Erfolg. Auch in Fünfkirchen formierte sich bald die Studentenschaft. Es gab einen deutschen Studentenkreis in Fünfkirchen mit dem Namen „Suevia turcica“, zu dem Dr. Adam Schlitt, der spätere Gründer der „Suevia Pannonica“ kurze Zeit angehörte. Er wechselte dann nach Budapest, um dort zu studieren und schloss sich an  die Suevia Budapestina an. 1938 wurde die "Deutsche Hochschülerschaft in Ungarn", DHU, in Fünfkirchen hervorgerufen, nachdem unter ähnlicher Bezeichnung die Studentenschaft im benachbarten Rumänien und Jugoslawien ebenfalls Vereine gegründet hatte. An der Spitze der Fünfkirchner DHU-.Gruppe stand Hans Krämer aus Lantschuk. In seiner Wohnung am Jókat tér hielt er am Anfang die Versammlungen ab, verteilte  deutsche Bücher und Zeitschriften, um das Selbstbewusstsein der deutschen Jungakademiker zu stärken. Zu dieser Gruppe gehörten: Heinrich und Erwin Hoffecker, Adam Hohmann, Heinrich Christ, Josef Gungl und Hans Groh. Diese Namen tauchen später auch bei den Gründungsmitgliedern der „Suevia Pannonica“ 1961 in Heidelberg auf. Das unter großem Einsatz aufgebaute ungarndeutsche Studenten-Vereinsleben wurde mit Kriegsende auf einen Schlag zunichte gemacht Auch die Suevianer mussten ihre Heimat verlassen, einige fielen im Krieg. Sie wurden in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Die meisten kamen in die Westzone der Bundesrepublik.

Nach dem Vortrag gingen die Konventteilnehmer gemeinsam in das Restaurant „Tafelhaus“ in die Innenstadt von Backnang und nahmen gemeinsam das Festessen ein.

Um 15 Uhr folgte der Festvortrag von Anneliese Till mit der Überschrift: „Ungarndeutsche Heimatmuseen: Erinnerungskultur und ihre Zukunft“. Dieser Vortrag wird im "Archiv der Deutschen aus Ungarn“ erscheinen.

Katharina Eicher-Müller

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Stand: 19. März 2011