Suevia Pannonica                         

Vereinigung Ungarndeutscher Akademiker e.V.

Sitz: Heidelberg

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Der Konvent der Suevia Pannonica tagte in der Patenstadt der Deutschen aus Ungarn

Gerlingen war  wieder ein ausgezeichneter Gastgeber

 Am 18. September begrüßte der Vorsitzende Dr. Johann Till die Anwesenden, besonders den Vertreter der Stadt Gerlingen, Herrn Horst Arzt, der die herzlichsten Grüße des Bürgermeisters der Stadt Georg Brenner übermittelte. Der Stadtrat führte aus, dass die enorme Entwicklung von Gerlingen ohne das Zutun der Deutschen aus Ungarn  nicht hätte erreicht werden können.  Die Ungarndeutschen haben in der Stadt überall  Zeichen gesetzt, in den Vereinen, in der Politik und waren vorbildlich, was Solidarität angeht. Altbürgermeister Wilhelm Eberhard war der Motor der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Gerlingen und Ungarn. Stolz berichtete der Redner, dass Gerlingen zu den reichsten Städten der Region gehört und sie war lange schuldenfrei, bis die Wirtschaftskrise auch in der Stadtkasse durch die geringeren Gewerbesteuereinnahmen ein Finanzloch verursachte. Herr Arzt erwähnte, dass das Rathaus durch ein Starkregen schwer beschädigt wurde.  Der Vorsitzende bedankte sich beim Herrn Arzt für freundliche Aufnahme im Rathaus und für die Möglichkeit, in der “besten Stube“ zu Gerlingen tagen zu können. In seinem Bericht teilte Dr. Till mit, dass die Vereinigung einen verstorbenen Bundesbruder zu beklagen hat. Josef Trinder, geboren in der Südbraunau, war ein treues Mitglied der Suevia Pannonica, der sich mit seiner Frau zusammen für den Verein sehr engagierte  Für den Verstorbenen wurde eine Schweigeminute eingelegt. Das älteste Mitglied, Dekan Friedrich Spiegel-Schmidt musste wegen einer Gehbehinderung ins Altenheim ziehen, er ist 98 Jahre alt. Das zweitälteste Mitglied, Dr. Heinrich Christ, wird  im Januar seinen 90. Geburtstag feiern. In diesem Jahr wurde kein Förderpreis der Suevia Pannonica verliehen. Es gab einen Vorschlag für eine Diplomarbeit, die von den vier Begutachtern  abgelehnt wurde.  Da die Suevia Pannonica als ehemalige studentische Organisation sich vor allem die Unterstützung des ungarndeutschen akademischen Nachwuchses zum Ziel gesetzt hat, berichtete der Vorsitzende über die Arbeit des Vereins Deutscher Studenten zu Fünfkirchen (VDSt), der von der Suevia Pannonica finanziell jährlich unterstützt wird. Dr. Till erwähnte, dass der Konvent des VDSt Fünfkirchen eine Woche später organisiert wird, an dem er wie jedes Jahr persönlich teilnimmt. Der Zuwachs in Fünfkirchen stockt in diesem Jahr, meinte Dr. Till. Seitdem die gerichtliche Eintragung des „Mitteleuropa Verein Deutscher Hochschüler“ erfolgte in Budapest, hörte man über ihn in der letzten Zeit wenig. Katharina Eicher-Müller, die Geschäftsführende Vorsitzende, berichtete über eine gesunde Finanzsituation. Es entfaltete sich eine rege Diskussion über die aktuellen Ereignisse im Zusammenhang mit der BdV-Präsidentin Erika Steinbach. Da die Entwicklung, statt die Vertreibung als historisches Ereignis aufzuarbeiten, auf die politische Schiene getrieben wurde, gefährdet diese das Projekt selbst. Um ein Zeichen zu setzen, wurde gefordert, dass das Geld, was die Suevia zusammen mit der Bundeslandsmannschaft der Deutschen aus Ungarn und dem Ungarndeutschen Sozialwerk  für ein Stimmrecht investierte, zurück zu fordern und so unser Unmut auszudrücken.  Wenn bei der Stiftungsarbeit „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ nicht die Experten, sondern die Politiker das Wort bekommen, verfehlt  das Projekt das eigentliche Ziel: das Schicksal der Millionen Flüchtlinge und Vertriebene geschichtlich unverfälscht aufzuarbeiten und der Nachwelt zu präsentieren. Der Tenor war, abzuwarten, wie sich die Entwicklung weitergeht.

Der Vorschlag, dass die Suevia Pannonica in ungarischer Sprache das Archiv als Jubiläumsausgabe ausgeben soll, wurde auch diskutiert. Das hätte die Wirkung, dass diejenigen in Ungarn, die sich noch über das Schicksal unserer Volksgruppe interessieren, gutes, authentisches Material bekommen könnten. Mit der ungarischen Sprache erreichen wir breitere Kreise. Wer soll die Auswahl treffen und welche Art von Artikeln in die Jubiläumsausgabe hereinkommen sollten, wurde diskutiert.  Es wurde auch das Thema aufgegriffen, dass  man die fehlenden Fachkräfte in der deutschen Industrie mit guten Ingenieuren aus den Reihen des Ungarndeutschen besetzen sollte.

Nachdem die Rechnungsprüfer, Günter Schumacher und Martin Schmidt, eine ordnungsgemäß geführte Buchführung bescheinigen konnten, wurden Wahlen durchgeführt, die von Dr. Fritz Zimmermann geleitet wurden. Der alte Vorstand wurde bestätigt, der aus den folgenden Personen besteht:  Vorsitzender: Dr. Johann Till, Geschäftsführende Vorsitzende: Katharina Eicher-Müller, Vorstandsmitglieder: Anita Glass, Franz Seidl, Anton Tressel, Dr. Georg Trabert, Rudolf Fath, Dr. Josef Schwing, Beisitzer: Eva Till-Rudolph, Rechnungsprüfer: Günter Schumacher und Martin Schmidt.

Am Nachmittag erfolgte der Festvortrag von Agnes Szauer aus Budapest über  die frühe Zweisprachigkeit  von Kleinkindern, über die institutionalisierte „Muttersprachenvermittlung“ bei den Deutschen in Ungarn. Die engagierte Ungarndeutsche kennt sowohl den Ausbildungsgang und Ausbildungsstand   der Kindergärtnerinnen für die so genannten Nationalitätenkindergärten wie auch die Alltagspraxis in diesen Kindergärten in Ungarn, war sie doch  in Ödenburg an der Hochschule für die  Ausbildung von entsprechenden Kindergärtnerinnen im Unterricht tätig. Ebenso war sie  auch im benachbarten  Agendorf   für die Umsetzung  einer Erfolg versprechenden Methode für die frühkindliche Sprachvermittlung mit eingebunden. Es waren erfolgreiche Erfahrungen, wie Frau Szauer berichtete.  Der Versuch, die Kinder in speziellen Gruppen an die deutsche Sprache heranzuführen, erwies sich als eine effiziente Methode.  Eine Methode, bei der  immer dieselbe Kindergärtnerin ausschließlich in deutscher Sprache mit den zunächst nur ungarisch sprechenden Kindern kommuniziert. Diese Kindergärtnerin gewinnt bei den Kindern sehr schnell die Leitfunktion für eine andere, für die deutsche Sprache und der unausweichliche Verständigungswunsch  (und Notwendigkeit) zwischen Kindern und Kindergärtnerin  zeitigt  sehr bald Erfolge.    Die in Kanada entwickelte Methode „Eine Person, eine Sprache“   könnte der  Fehlentwicklung, die man in den Nationalitätenkindergärten landesweit immer noch vorfindet, entgegenwirken.  Es ist nämlich, trotz  regelmäßiger  Fortbildung der Kindergärtnerinnen auch  in Deutschland, immer noch so, dass den Kindern  auswendig gelernte deutsche Abzählverse Reime, Spiele und Lieder beigebracht werden, nicht aber die Sprache.  An der alten Misere des verschulten (auswendig)  Lernens habe sich im Grunde nichts geändert.  Die Beschäftigungen sind zwar methodisch meistens gut vorbereitet, bleiben in der Umsetzung trotzdem Fremdkörper. Es wird nur ganz selten frei, spontan zu den Kindern deutsch  gesprochen. In der Begründung heißt es dann, die Kinder würden es doch nicht verstehen. Kinder sind aber genial, sie können  alles aufnehmen und auch jederzeit wiedergeben. Wobei immer zu bedenken ist, das die Kinder vor allem und zunächst zum Verstehen und nicht zur Wiedergabe der Sprache geführt werden müssen.  Hier ist ein Umdenken notwendig. Ebenso in der  Jahrzehnte verbreiteten  Ansicht, erst müsse die ungarische Muttersprache gefestigt werden, nur dann kann eine zweite,  die deutsche Großmuttersprache, eingeführt werden,  am besten erst ab der vierten Klasse der Grundschule. Ein früheres Heranführen an eine zweite Sprache würde die spätere Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen und hätte besonders in der Pubertät schwere Folgen, heißt die Begründung. Diese Bedenken sind längst widerlegt. Ein weiterer Schwachpunkt liegt in der überholten Methodik. In der Methodik geht man nämlich immer noch nach der Methodik des Fremdsprachenunterrichts (der auf der einst landesweiten Praxis des Russischunterrichts basiert) vor.  Im Kindergartenalltag der „deutschen Gruppe“ wird nicht  auf die (eventuelle) Zweisprachigkeit der ungarndeutschen Eltern bzw. Großeltern reflektiert. Die  Methodik ist nicht auf einen natürlichen Spracherwerb, nicht auf ein deutschsprachiges Umfeld der Kinder und nicht auf einen freien Gebrauch der deutschen Sprache ausgerichtet. Diese „eiserne Methodik“ ist  bis heute nicht „aus der Bahn  geworfen werden“, berichtete Frau Szauer. Leider laufe der Unterricht noch heute so, wie vor zwanzig Jahren. Im Kindergarten, wo die Bewertung  oder Benotung der Sprachkenntnisse noch kein Aspekt ist,  könnten die Kinder aber spielerisch und natürlich an die deutsche Sprache herangeführt werden.  Deshalb kann  dieser Prozess im Kindergarten ohne Zwang erfolgen, ohne ständige Erklärungen der Regeln, ohne Kontrolle. So wird die Sprache nicht zum Fremdkörper. Die „Berieselung“ mit dem Deutschen sickert allmählich und ganz natürlich in die Köpfe der Kinder und  prägt sich ein. Die fehlende Sprachkompetenz der Eltern  könnte so entscheidend kompensiert werden. 

Und dennoch fand diese erfolgreiche  Methode bisher in Ungarn keine Annahme, keine Nachahmung, obwohl es laut Statistik über 200 ungarndeutsche Kindergärten existieren. Es kamen nach den Pressemeldungen vom  Erfolg dieser Methode  aus vielen ungarndeutschen Gemeinden mit „Nationalitätenkindergärten“ Abgesandte nach Agendorf, um sich zu informieren. Sie kamen, sahen und vergasen  dann  wohl schnell, was sie gesehen hatten.  Von Nachahmungen wusste die Referentin nichts. Dabei erhalten diese „Nationalitätenkindergärten“ vom Staat gesonderte Zuschüsse für ihre „Nationalitäten-Qualifikation“. Die Gelder werden aber fast überall  zweckentfremdet. Anstatt eine gute Kindergärtnerin mit guten Deutschkenntnissen und der nötigen emotionalen Einstellung anzustellen, werden die für die Kinder der Minderheit gedachten Mittel für  Heizung, Strom, die Renovierung oder den Umbau der Gemeindeimmobilie verwendet.  Die Situation ist,  dass die Elterngeneration die Muttersprache verloren hat.  Die Sprachvermittlung in unserer Volksgruppe muss  deshalb  Institutionen übertragen werden. Die Förderung der frühkindlichen  Zweisprachigkeit könnte  bei uns Ungarndeutschen die Basis für das Fortbestehen unserer Volksgruppe sein. Um  dies in die Praxis umzusetzen, müsste freilich ein erkennbarer Druck ungarndeutscher Eltern auf die Verantwortlichen der  Gemeindeverwaltungen und der politischen Entscheidungsträger des Landes  ausgeübt werden. Davon ist aber weit und breit seit Jahrzehnten  nichts zu erkennen,  resümierte Frau Szauer. In der lebhaften Diskussion nachher kristallisierten sich die folgenden Gedanken heraus. Die politisch gewollte, institutionalisierte öffentliche Verdrängung der deutschen Sprache und die vernichtenden kollektiven Maßnahmen gegen die Volksgruppe geben die Antwort, weshalb von der ungarndeutschen Basis, von der Elternschaft   kein Druck, kein Protest  nach außen und nach  oben ausgeht. Die fehlende ethnische Souveränität (Selbstbewusstsein) und das Fehlen einer echten ethnischen Freiheit, d.h. das Fehlen einer praktizierbaren ethnischen Autonomie, sind die Gründe der Stimmlosigkeit bei den deutschen in Ungarn.

K. Eicher-Müller/ Johann Till

                                                                       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn gewünscht wird:

 

Gemeinsames Abendessen

 

Anschließend gemütliches Zusammensein

 

 

 

 

 

 

 

 

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Stand: 19. März 2011