Suevia Pannonica                         

Vereinigung Ungarndeutscher Akademiker e.V.

Sitz: Heidelberg

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Konvent  und Stiftungsfest  der Suevia  Pannonica  im Rathaus zu Gerlingen

Die Stadt Gerlingen war ein ausgezeichneter Gastgeber des jährlich stattfindenden Konvents der Suevia Pannonica, Vereinigung Ungarndeutscher Akademiker e.V. 

In großzügig ausgestatteten Sitzungssaal des Gerlinger Rathauses fühlten sich am 13. September  die Mitglieder der Suevia Pannonica sichtlich wohl. Bei kalt-windigem Wetter draußen, ging man drinnen bereits um 10 Uhr  frohgemut an die Arbeit. Nach der Begrüßung des Vorsitzenden der Suevia Pannonica, Dr. Johann Till, wurde als erstes   Dr. Anton Tafferner gedacht. Mit dem Heimgang dieses einmaligen und außergewöhnlichen Menschen verloren die  Donauschwaben ihren profundesten Chronisten. Kein anderer der jüngsten donauschwäbischen Geschichtsforschung hat sich so tief und gründlich in die Ansiedlungsgeschichte der Donauschwaben eingearbeitet als Dr. Anton Tafferner. Als Mensch wird uns seine unverwechselbare, faszinierende  Persönlichkeit in Erinnerung bleiben und  als Forscher seine Quellenbücher zur Donauschwäbischen Geschichte ein bleibendes Vermächtnis sein. Für den Verstorbenen wurde eine Schweigeminute eingelegt. Danach folgte der Bericht des Vorstandes über die Tätigkeit der Vereinigung. In diesem Jahr wurde ein Förderpreis der Suevia Pannonica an Regina Weber aus Sachsen  verliehen, die eine Facharbeit über die Vertreibung ihrer Großeltern und Eltern aus dem schwäbischen Dorf Tevel  in der Tolnau  schrieb. Die Verfasserin schildert in ihrer Arbeit   das Schicksal ihrer  Familie, das sie geschickt  vor dem historischen Hintergrund   der Geschichte der Ungarndeutschen darstellte. Es sei eine löbliche Ausnahme, das sich so junge Menschen über die eigene Familiengeschichte in die Geschichte der Ungarndeutschen einarbeiten, wie es die Prämierte getan hat. Deshalb sei die Auszeichnung wohlverdient, so Dr. Till.  Der Urgroßvater von Regina Weber  ging vor dem 1. Weltkrieg, wie zahlreiche Ungarndeutsche   in jener Zeit, aus der Tolnau nach  Amerika und kaufte aus den Ersparnissen von acht Jahren zum Ererbten  noch Besitz in Tevel dazu, der dann, zwanzig Jahre später,  1945 enteignet wurde. Die Webers wurden 1948 vertrieben, kamen zuerst nach Pirna, in die graue Kaserne und wurden von dort in die  Umgebung Leipzigs  weitergeleitet, wo sie bis heute heimisch sind.  Das beschriebene Schicksal der Webers stellt exemplarisch den Leidensweg all jener Ungarndeutschen dar  , die im Zuge der Vertreibung aus Ungarn  in die damalige Ostzone kamen. Frau Weber berichtete über ihre Erfahrungen in Pécs/Fünfkirchen, wo sie als Praktikantin ohne Ungarischkenntnisse  in einem ungarischen Kindergarten ein Jahr lang arbeitete und interessante Erfahrungen sammeln konnte. Da die Suevia Pannonica als ehemalige studentische Organisation sich  vor allem die Unterstützung des ungarndeutschen akademischen Nachwuchses zum Ziel gesetzt hat, berichtete der Vorsitzende über die Arbeit des Verein Deutscher Studenten zu  Fünfkirchen (VDSt), der von der Suevia Pannonica finanziell jährlich unterstützt wird. Dr. Till betreute im Sommer die Umbauarbeiten im Haus des VDSt Fünfkirchen   in der Annagasse 39, wo ein  Gewölbekeller zum Versammlungsort umgestaltet  wird. Die gerichtliche Eintragung des „Mitteleuropa Verein Deutscher Hochschüler“ erfolgte in Budapest, der als  Altherrenverein des Verein Deutscher Hochschüler  Budapest (VDH) dient und dessen Vorsitzende der ehemalige Suevia-Stipendiat Bálint Kolnhofer ist. In diesem Verein ist im Vorstand  als Repräsentantin der Suevia, Katharina Eicher-Müller eingebunden. Der Verbindungsmann zwischen der Suevia Pannonica und dem VDH Budapest, Dr. Georg Trabert, konnte in diesem Jahr seine Aufgabe wegen  ausgebliebener  Kommunikation mit dem VDH Budapest  nicht erfüllen. In der  Diskussion zum Thema, stellte sich die Frage, ob die Suevia Pannonica  statt Förderpreise und Stipendien , welche  die ungarndeutschen Studenten seit  der Wende   von zahlreichen Institutionen in Ungarn in  Anspruch nehmen können, sich nicht erneut   intensiver der Aufgabe der Aufarbeitung der ungarndeutschen  Geschichte widmen sollte. Da in Ungarn noch immer über die Umstände der Vertreibung der Ungarndeutschen zahlreiche falsche, der geschichtlichen Abläufe  nicht entsprechende  Darstellungen publiziert werden, entstand der Tenor, dass die Suevia in ungarischer Sprache Bücher selbst herausgeben oder deren Herausgabe  unterstützen sollte, die der geschichtlichen Wahrheitsfindung dienen. Die Frage der optimalen Vertretung der Ungarndeutschen  in  verschiedenen Institutionen, wie im Institut für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen, wurde auch diskutiert. Anschließend konnte die Geschäftsführende Vorsitzende, Frau  Katharina Eicher-Müller,  über eine gute Finanzsituation Rechenschaft ablegen.

   Rudolf Fath, Schriftleiter des „Archiv der Deutschen aus Ungarn“ berichtete über das baldige Escheinen des Periodikums Jg. 2007. Da das Ungarndeutsche Sozial- und Kulturwerk seiner finanziellen Zusage der Mitfinanzierung des Archivs  seit zwei Jahren nicht nachkam, und nach vorgetragenem Bericht des Geschäftsführers, Claus Loderer, mangels Substanz auch nicht nachkommen kann,   wurde einstimmig beschlossen, dass der Name des Vereins nicht mehr als  Mitherausgeber erscheint.  

Um 14 Uhr erfolgten die Grußworte des 1. Beigeordneten der Stadt Gerlingen, Wolfgang Steng, der in seiner kurzen Ansprache auf die historische Rolle von Gerlingen, auf die Entwicklung der Stadt und auf die Patenstädte Gerlingens  einging. Gerlingen, „die  heimlichen Hauptstadt der Ungarndeutschen“, nimmt seine Patenschaftsaufgaben mit Empathie  wahr und unterstützt die Ungarndeutschen. Gerlingen ist jedes Jahr Gastgeber der Kulturtagung der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn. Die  Patenstadt Gerlingens  in Ungarn, ist  Tata. Stolz berichte Herr Streng über den Abschluss der Bauarbeiten auf dem Rathausplatz  und darüber, dass die Stadt schuldenfrei ist. Dr. Till bedankte sich bei Herrn Steng über die Möglichkeit, dass die Suevia Pannonica im Rathaus tagen kann. Danach folgte der Vortag von Angela Korb aus Budapest.           

 Der Vortrag über „ Madjarisierungstendenzen in der zweiten Hälfte des 19. Jh. im Spiegel der Fünfkirchner Zeitung“ wir im Archiv  der Deutschen aus Ungarn  Jg. 2008 nachzulesen sein.

Der zweite Referent kam ebenfalls aus Budapest. Dr. Georg Kramm, Vorsitzender der Jakob Bleyer Gemeinschaft und Schriftleiter des jährlich vier bis sechsmal erscheinenden  Sonntagsblattes berichtete über die Nöte und Möglichkeiten der Jakob Bleyer Gemeinschaft und des Sonntagsblattes. Es herrscht ein dreifacher Mangel beim Sonntagsblatt, berichtete  Georg Kramm. Ein personeller, ein finanzieller und ein substanzieller. Um eine Zeitung zu machen, wie  sie der Leser  heute erwartet, bräuchte man erstens mehr zuverlässige  ehrenamtliche Mitarbeiter ( an hauptamtliche ist nicht zu denken), eine gesicherte Finanzlage und  mehr aktuelle Beiträge  über die Gegenwartssituation der Volksgruppe in Ungarn. Tatsächlich sind es aber nicht einmal eine handvoll Mitarbeiter, bekommt das Blatt fast gar keine öffentliche Bezuschussung ( im Gegenteil zur Neuen Zeitung) und müssen mangels ausreichender  gegenwartsbezogener Artikel oft vergangenheitsorientierte Beiträge gebracht werden.  Die Zeitung werde in 1200 Exemplaren in Ungarn und ins Ausland versandt. Er, Kramm  selbst sammelt die Beiträge, redigiert werden sie von Georg Krix, der mit seinen 80 Jahren immer noch der  antreibende Geist der Herausgabe des Sonntagsblattes sei. Géza Hambuch, Nelu Bradean-Ebinger gehören zum engsten Mitarbeiterkreis.   Weil das Sonntagsblatt das einzige  von den  ungarischen  Behörden wirklich unabhängige Organ der Ungarndeutschen ist und sich auch nicht scheut, kritisch hinter die minderheitenpolitische  Schönwetterfassade zu leuchten, unterstützt die Suevia  jede Nummer das Sonntagsblattes.

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Stand: 19. März 2011