Suevia Pannonica                         

Vereinigung Ungarndeutscher Akademiker e.V.

Sitz: Heidelberg

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Der diesjährige Jahreskonvent und das Stiftungsfest der Suevia Pannonica waren  abwechslungsreich

Die Veranstaltung fand im mit Medien gut ausgerüsteten Ungarndeutschen Heimatmuseum in Backnang am 19. September 09 statt, wo eine familiäre Atmosphäre herrschte. Nach der Begrüßung des Vorsitzenden Dr. Johann Till folgte das Gedenken der verstorbenen Mitglieder: Anton Kärmer aus Szakadát/ Herbrechtingen und Josef Brasch, der langjährige Vorsitzender LDU Baden-Württemberg, der auch in der Suevia Pannonica als Rechnungsprüfer aktiv war. Als Neumitglieder wurden Dr. med. Sara Sturz/Pulheim bei Köln  und Martin Schmidt/ Annweiler begrüßt. Katharina Eicher-Müller, die Geschäftsführende Vorsitzende, berichtete, dass das Kapital des Förderungsfonds wegen Fälligkeit neu angelegt werden muss, was in der schlechten Zins-Zeit eine schwere Aufgabe wird. Rudolf Fath schlug eine ungarndeutsche  Kandidatin für den Förderpreis vor, die mit einer guten Facharbeit auf sich aufmerksam gemacht hatte. Rudolph Fath, der auch der Schriftleiter des „Archivs der Deutschen aus Ungarn“ ist, teilte mit, dass er das Material für das Archiv Jg. 2008 beisammen hat und berichtete über die Schwierigkeiten seiner Arbeit, u.a. darüber,  dass früher die Beiträge überwiegend aus den Reihen der Mitglieder der Suevia Pannonica  kamen, durch das  „Wegsterben“ der „schreibenden Mitglieder“  habe sich das Autorenreservoir  des Archivs auch gewandelt. Er bat um Buchbesprechungen für das Archiv. Katharina Eicher-Müller verwies auf die große Bedeutung des Archivs in Ungarn, da in Ungarn die Quellenlage über die Geschichte der Ungarndeutschen, besonders vor und nach dem Zweiten Weltkrieg, recht dürftig ist. In diesem Zusammenhang führte Johann Till aus, dass bei Tagungen in Ungarn, wie bei einer großen Tagung im Bonyháder Evangelischen Gymnasium im April 2009, über „Die Deutschen im Karpatenbecken“, das Fehlen ungarndeutscher Referenten augenfällig wurde, was naturgemäß die Richtung der Betrachtungsweise und der historischen Interpretation (für die Ungarndeutsche eher ungünstig)  beeinflusst. So würde Ende September in Fünfkirchen eine zweitägige Konferenz über die Verschleppung der Ungarndeutschen nach Russland ohne einen einzigen deutschen Referenten stattfinden. Die Anwesenden diskutierten darüber, dass die Gründe der Auswanderung aus Deutschland im 18. Jahrhundert nach Südosteuropa einseitig dargestellt werden, in der Regel hieße es, unsere Vorfahren seien aus Armutsgründen aus ihrer  alten Heimat ausgewandert. Obwohl die Gründe wohl vielschichtig gewesen waren, zugänglich sind diese Kenntnisse vor allem im universitären Bereich. Abhandlungen über die Auswanderung, bzw. die  Einwanderung ins Habsburger Reich  gibt es  schon, aber diese sind vornämlich für die Namen- und Familienforschung relevant. Lobend wurde erwähnt,  dass in diesem Zusammenhang der Wunsch nach einer Ausstellung als Gesamtschau über die Ungarndeutschen im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Planung sei. Als eine interessante Unterbrechung bedeutete um 11 Uhr 30 die gemeinsame Besichtigung der Fotoausstellung des ungarischen Photographen László Tám in der Stadtbibliothek von Backnang, der  seine Bilder über die in Baranya/Branau (Südungarn) lebenden Deutschen zeigte. Nach dem gemeinsam eingenommenen  Mittagessen berichtete der Vorsitzende über das Programm des Vereins Deutscher Studenten zu Fünfkirchen, der am 25/27. September sein 15. Stiftungsfest begeht. Die Geschäftsführende Vorsitzende stellte danach die Klassenlage vor.

Das Stiftungsfest gestaltete zuerst Dr. Josef Schwing über das frühere Dorfleben in  Boschok/Palotabozsok (Südungarn). Der aus Besedek/Bezedek stammende Kaplan Martin Bezedeki-Kresz, der 1942 nach Boschok versetzt wurde, war nicht nur Seelsorger, sondern ein vielseitiger, technisch begabter Mann. Er war Filmamateur, später Orgelbaumeister und in vielen Handwerken zu Hause. Seine Filmsammlung, die religiöse Bräuche im Jahresablauf und Szenen aus dem Alltagsleben archiviert, wurde von J. Schwing digitalisiert und an diesem Nachmittag vorgeführt. Dr. Schwing  kommentierte unter anderem einen für Boschok typischen vorweihnachtlichen Brauch, die Herbergssuche für die Heilige Familie, für die zehn Tage vor Weihnachten jeden Abend in einem anderen Haus ein Altar errichtet und eine Andacht gehalten wurde. Festgehalten wurden die Missionstage zur seelischen Ertüchtigung mit zwei Jesuitenpredigern. Sehr beeindruckend war die österliche Auferstehungsfeier 1944, die letzte vor der Zerstörung der alten deutschen Dorfgemeinschaft. An der Feier nahm das ganze Dorf, jung und alt, teil. Die Prozession war einige hundert Meter lang, sie wurde mit Blasmusik begleitet, alle erschienen in ihren kostbarsten Trachten, und die Mütter trugen ihre Kleinkinder auf dem Arm. Ebenso imposant war der Ablauf der Erstkommunion des Jahrgangs 1935. Es gab Spiele der Kleinkinder im Kindergarten des Nonnenklosters, der óvoda. Dann folgten Ausschnitte aus dem Leben der Schulkinder. Im schneereichen Winter 1944 durfte eine Schneeballschlacht, Mädchen gegen Jungen, nicht fehlen. Gezeigt wurde der Schultag eines Kindes vom Aufstehen am Morgen über den Schulunterricht bis zum Hausaufgabenschreiben am Nachmittag. Das Publikum erlebte auch ein vorweihnachtliches Theaterstück der Schulkinder. Bewunderung bekundeten die Zuschauer für die Aufnahmen über die Levente, einer paramilitärischen Organisation der männlichen Jugend von 12 bis 21 Jahren in der Horthyzeit. Der bestechende Paradeschritt in weißen Patschkern und Schlappen war ein Augenschmaus, der im Film von einem ranghohen ungarischen Offizier abgenommen wurde. Der Operettentenor Franz Seidl gab seiner musikalischen Vorführung die Überschrift „Das Schicksal der Ungarndeutschen im Spiegel der Musik“. Seinen autobiografischen Vortrag unterbrach er mit zum Teil selbst komponierten Liedern, die über Vertreibung erzählten oder lustige Anekdoten beinhalteten. Im Mittelpunkt des Musiknachmittags stand, wie man emotional  den schweren Schicksalsschlag nach 1945 verkraftete und wie man letztendlich Fuß fasste. Einige Arien hörten die Zuhörer aus dem Repertoire des Tenors aus der Wiener Zeit und konnten einen Ausschnitt aus seiner neuesten Rolle als Kaiser von Österreich im Trierer Theater erleben.  Um 17 Uhr, als der Vorsitzende seine Abschlussworte sprach, sind alle Teilnehmer mit einem guten Gefühl  auf  den Nachhauseweg entlassen worden.                                        Katharina Eicher-Müller 

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Stand: 19. März 2011